Context Engineering

Zunächst als Optimierungstaktik gedacht, hat sich Context Engineering zu einem grundlegenden architektonischen Aspekt moderner KI-Systeme entwickelt. Im Gegensatz zum Prompt Engineering, das sich auf die Formulierung konzentriert, konzentriert sich Context Engineering bewusst auf die Informationsumgebung der KI.

Da Agenten immer komplexere Aufgaben bewältigen müssen, führt das Einfügen von Rohdaten in den Kontext zu Context rot und einer Verschlechterung der Schlussfolgerungen. Um dem entgegenzuwirken, wechseln wir von statischen, monolithischen Prompts zur schrittweisen Offenlegung des Kontexts: anstatt alle Anweisungen und Referenzen, die ein Agent benötigen könnte, im Voraus zu laden, beginnen wir mit einem schlanken Index der verfügbaren Informationen – der Coding-Agent bestimmt, welche Prompts oder Kontexte relevant sind, und ruft nur das Nötige ab, wodurch sich das Signal-Rausch-Verhältnis deutlich verbessert.

Strategien

Um die Qualität der Coding-Agenten möglichst hoch zu halten, sollte sich deren Kontext auf die aktuelle Problemstellung konzentrieren. Die folgenden Strategien können euch helfen, den Kontext klein zu halten.

Verwaltet den Kontext proaktiv
  • Lasst euch die aktuelle Token-Nutzung ständig anzeigen.

  • Löscht den Kontext wenn ihr zu einer anderen Aufgabe wechselt. Meist habt ihr auch die Möglichkeit, den Kontext vorher abzuspeichern, sodass ihr später wieder darauf zurückgreifen könnt. Ggf. könnt ihr dabei noch Hinweise geben, was bei der Zusammenfassung beibehalten werden soll.

Reduziert den Overhead des MCP-Servers
  • MCP-Tool-Definitionen werden üblicherweise zurückgestellt, sodass nur die Tool-Namen im Kontext verfügbar ist, bis der Coding-Agent ein bestimmtes Tool verwendet.

  • Verwendet nach Möglichkeit CLI-Tools – sie sind immer noch kontexteffizienter als MCP-Server, da sie keine tool-spezifischen Einträge hinzufügen. Coding-Agenten können CLI-Befehle direkt ausführen.

  • Deaktiviert nicht verwendete MCP-Server.

Installiert die sprachspezifischen Plugins

Diese Plugins ermöglichen den Coding-Agenten präzise Symbolnavigation anstelle textbasierter Suchen und reduzieren so unnötige Datei-Lesevorgänge beim Durchsuchen von unbekanntem Code. Installierte Sprachserver melden zudem Typfehler automatisch nach Änderungen, sodass Coding-Agenten Fehler erkennen können, ohne einen Compiler ausführen zu müssen. In Claude Code ist dies pyright-lsp für den Pyright-Language-Server.

Verlagert die Arbeit zu Hooks und Skills
  • Benutzerdefinierte Hooks können Daten vorverarbeiten, bevor sie an Coding-Agenten weitergeleitet werden. Anstatt den Coding-Agenten Log-Datei nach dem Log-Level ERROR suchen zu lassen und nur die entsprechenden Zeilen zurückzugeben, wodurch der Kontext von Zehntausenden Tokens auf Hunderte reduziert wird.

  • Agent Skills vermitteln Fachwissen, sodass der Coding-Agent es nicht selbst recherchieren muss. Ein codebase-overview-Skill könnte beispielsweise die Architektur eures Projekts, wichtige Verzeichnisse und Namenskonventionen beschreiben. Wenn der Coding-Agent den Skill aufruft, erhält es diesen Kontext sofort, anstatt Token dafür zu verbrauchen, mehrere Dateien lesen zu müssen um die Struktur zu verstehen.

Weitere Techniken versuchen, dieses Verhältnis weiter zu verbessern:

Prompt-Caching

stellt statische Anweisungen vorab bereit, was Kosten senkt und die Zeit bis zum ersten Token verkürzt.

Dynamic retrieval

geht über grundlegende RAG hinaus, indem es Tools auswählt und nur die notwendigen MCP-Server lädt, wodurch eine unnötige Kontexterweiterung vermieden wird.

Context Graphs

modellieren institutionelles Schlussfolgern – wie Richtlinien, Ausnahmen und Präzedenzfälle – als strukturierte, abfragbare Daten. Techniken zum Kontextmanagement nutzen Stateful Compression, und Sub-Agenten, um Zwischenschritte in lang andauernden Workflows zusammenzufassen.